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Umweltfreundliche Forschung bei WICOM.          zurück

Die Firma WICOM wird der größte Erzeuger von Solarstrom in Heppenheim.

Vom Kohle- zum Sonnenkraftwerk

Vom Dampfkraftwerk zum Sonnenkraftwerk

 

An der Liebigstrasse wird wieder Strom produziert!

Zur Inbetriebnahme der Photovoltaikanlagen der Firma WICOM am 22. Dezember 2006."

 

Es handelt sich um eine der größten Photovoltaikanlagen der Kreisstadt Heppenheim.

 

Es ist heute mehr es nur die Inbetriebnahme eine Photovoltaikanlage. Es ist die Wiederaufnahme der Stromproduktion hier, an diesem historischen Ort, einem der ersten Kraftwerke Europas.

Bereits am 5. April 1898 erteilte die Stadtverwaltung Heppenheims Herrn Geheimrat Prof. Dr. Kittler, dem Inhaber des ersten Lehrstuhls für Elektrotechnik, den Auftrag hier in Heppenheim, einen Vortrag über die Vorsorgung Heppenheims mit elektrischer Energie zu halten. Die Pläne waren bereits im Juli des gleichen Jahres fertig gestellt. Als Stromart wurde Gleichstrom, seiner Speicherfähigkeit wegen, und als Spannung 220 V vorgeschlagen. Für die Erzeugung des Stroms kam nur die Dampfkraft in Frage. Wegen der Anlieferung der hierfür notwendigen Kohle wurde die Lage hier am Bahnhof ausgewählt, auch wegen des Stadtbaches für die Wasservorsorgung. Am 14. Juli 1898 stimmte der Gemeinderat den Plänen für das Kraftwerk zu. Nach einer detaillierten Ausschreibung wurde am 16. Februar 1899 der Bauauftrag an die Siemens Schuckert Werke als Generalunternehmer vergeben. An dieser Stelle möchte ich auch dem Archiv der Firma Siemens danken, die zahlreiche Dokumente, Memos etc. in Ihrem Archiv bis heute bewahrt und uns zugänglich gemacht haben. Im Werk wurden zwei Stromerzeuger mit je 85 KW Leistung aufgestellt. Für den Nachtbetrieb wurde der tagsüber in Batterien gespeicherte Strom ins Netz eingespeist. Am Anfang des Monats Januar 1900 waren die Anlagen soweit fertig gestellt, dass mit Stromlieferungen für Licht- und Heizzwecke begonnen werden konnte. Die Herstellung der Stromanschlüsse auf Kosten des Elektrizitätswerkes dauerte bis zum 1. Oktober 1901. Bis zu diesem Zeitpunkt gelang es dem Werk weitere Abnehmer zu gewinnen; es waren 155 Anschlüsse mit insgesamt 1900 Glühlampen und 6 Motore mit einer Leistung von 20,5PS. Das Elektrizitätswerk selbst war ein Motor für die Entwicklung des Gewerbes der Region, die in der Umstellung von Hand- auf Kraftbetrieb Ihren Ausdruck fand. Eine Kilowattstunde kostete damals 50 Pfennige, also sogar absolut gesehen mehr als heute. Umgerechnet auf heute Verhältnisse wären dies etwa 40,- Euro pro Kilowattstunde.

 

In den folgenden Jahren fand eine regelrechte „Anschlußbewegung“ statt, die zu einem weiteren Ausbau des Kraftwerkes 1909 führte.

Das nächste wichtige Ereignis, war der Abschluss eines Energieaustauschvertrages mit Bensheim vom Jahre 1913. Dessen Gegenstand war, Bensheim liefert an Heppenheim Gas, Heppenheim an Bensheim liefert Strom. Die Elektrizitätsleitung wurde oberirdisch neben der Gasleitung, entlang der Bahnlinie, verlegt. Die gegenseitig gelieferten Energien wurden in einem besonderen Meßhäuschen an der Gemarkungsgrenze gemessen. Heppenheim erhielt aus diesem Vertrag Zahlungen bis noch in die 1970iger Jahre.

Das Elektrizitätswerk führte seinen erfolgreichen Betrieb bis 1942 fort. Die Stromerzeugung und das Leitungsnetz wurden 1942, trotz des Krieges, mit so großem Gewinn an die Heag verkauft, dass das Geld dazu reichte, sämtliche Schulden Heppenheims zu tilgen. In der Folge durchlief das Gebäude eine wechselhafte Entwicklung, die nahezu im Verfall endete. Rund 20 Jahre diente es als Feuerwehrstützpunkt. Dann zog der städtische Bauhof ein. Im Jahre 2003 haben Pia und Brian Fera das Gebäude als Ruine für rund 500.000 Euro erworben und aufwändig saniert und modernisiert. Nach rund 64 Jahren wird hier ab heute wieder Strom produziert. Berücksichtigt man, dass die Dampfmaschinen nur tagsüber liefen, so wird hier völlig umweltfreundlich rund ¼ der Strommenge produziert, für die damals der ganze Komplex notwendig war, bestehend aus Stauwehr am Stadtbach, Wasserzisternen, Kohleschuppen, Kesselhaus, Maschinenhalle, Werkstattgebäude und Verwaltung.

Berücksichtigt man den geringen Wirkungsgrad der Dampfmaschinen seinerzeit, so werden rund 28,8kg CO2 täglich gegenüber damals eingespart. Das sind rund 10,3 Tonnen Kohlendioxidersparnis pro Jahr.

 

Um eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für die Stromerzeug zu erreichen, wurde das Gebäude seinerzeit in optisch dieser ansprechenden Form errichtet. Der Gebäudekomplex wurde vom Baumeister der Bergstrasse, dem berühmten Architekten Metzendorf, entworfen.

Technische Einrichtungen wie z.B. der Wasserspeicher und die Entlüftung wurden als gotische Turmaufsätze ausgeführt. Mehrfach unterschiedliche Dachneigungen vermitteln einen interessanten und abwechslungsreichen Anblick Als Verzierung dienten Bemalungen und neogotische Säulen. Die Architektur sollte den Stolz auf den eigenen technischen Fortschritt dauerhaft vermitteln. Ich denke das ist den Architekturen auch vorbildlich gelungen. WICOM ist dieser Tradition gefolgt, denn die Solaranlage fügt sich in diese Tradition ein, sie ist nahezu unsichtbar.