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Bürokratie macht Standort madig.       zurück

 

Bergsträßer Anzeiger / Ausgabe vom 08.08.2007

WIRTSCHAFT: Wicom baut Niederlassung in der Schweiz aus / „Investitionsbremse” Deutschland
Bergstraße. „Es hätte mich nicht gewundert, wenn der Zoll auch noch die Fußbälle von Werder Bremen beschlagnahmt hätte”, umschreibt Dr. Brian Fera die Eigenarten der deutschen Bürokratie. Für den Geschäftsführer der Wicom Germany GmbH mit Sitz in Heppenheim gleicht die hiesige Verwaltungshierarchie eher einer Serie von Eigentoren, die den Standort Deutschland in der Tabelle europäischer Wirtschaftsnationen ins hintere Mittelfeld kickt. „Für Unternehmen ist das eine regelrechte Investitionsbremse.”
Vor vier Jahren hat der Wicom-Gründer in der Schweiz Fuß gefasst. Mit seiner eigenen Firma ist er seit 2003 in Maienfeld (Kanton Graubünden) mit einer Niederlassung vertreten. Ganz in der Nähe hatte die Mannschaft von Fußball-Bundesligist Werder Bremen im Juli ihr Trainings-Camp aufgeschlagen. Fußballfan Fera besuchte die Kicker im Sommerlager: „Die Sportler genossen das entspannte Klima.”
Auch für den Unternehmer ist die Schweiz ein verlockendes Fleckchen Erde: „Weniger Bürokratismus und mehr Verständnis der Behörden für die Interessen der Wirtschaft.”
Viele Wicom-Kunden und Geschäftspartner haben ihre Kapazitäten in Forschung und Produktion bereits in die Schweiz verlagert, wie etwa die Mannheimer Roche Diagnostics (ehemals Boehringer). Für Dr. Fera ist klar, dass er seinen großen Kunden folgen muss. „Eine Tendenz, die in den kommenden Jahren noch stärker zu spüren sein wird.”
Für den Wicom-Standort Heppenheim bedeutet das: Eine Abwanderung von Know-how, Umsatz und internationalen Kontakten. Ein halber Arbeitsplatz ist bereits weggefallen, betont Fera, der die Schweiz als attraktive Wirtschaftsbasis mitten in Europa schätzt. So seien beispielsweise die Lohn-Nebenkosten bei gleicher Qualifikation deutlich geringer als in Deutschland.
An Standort dennoch festhalten
Fera glaubt, dass ein verminderter Kündigungsschutz mehr Beschäftigung erzeugt: Die Arbeitslosigkeit tendiere gegen null, während das Nettoeinkommen relativ hoch ist. Die Konkurrenz um den Arbeitnehmer schürt den Wettbewerb zu Gunsten einer lebendigen Wirtschaft. Das geografische Umfeld ist geradezu ideal für internationale Geschäftsbeziehungen. „Es sind kurze Wege zum Finanzplatz Zürich und zur Industriemetropole Basel”, so Dr. Brian Fera, der trotz eingeschlagenem Expansionskurs am Standort Deutschland festhalten will.
Allerdings sei hier ein Umdenken auf bundespolitischer Ebene erforderlich. Vor allem der deutsche Zoll hat es dem Heppenheimer Unternehmer angetan. Im grenzüberschreitenden Warenverkehr ortet Fera unverhältnismäßig viele Hürden, die in Ländern wie England und der Schweiz so kaum vorstellbar seien. „Ein zeitintensiver Prozess voller Schikanen, der ganze Unternehmen schlichtweg kaputt macht.”
Dr. Brian Fera befürchtet eine zunehmende Verteuerung von importierten Produkten und erhebliche Verluste für die deutsche Wirtschaft. Als Zulieferer der chemischen Industrie ist auch Wicom auf eine möglichst reibungslose und kostengünstige Einführung von Präzisionsprodukten angewiesen.
Auch in seiner Funktion als Sektionssprecher des CDU-Wirtschaftsrats Bergstraße will Fera dazu beitragen, dass der deutsche Zoll unbürokratischer und unternehmerfreundlicher wird. Ende des Jahres ist ein Workshop geplant, bei dem konkrete Verbesserungsvorschläge diskutiert werden sollen. Als Referent wird der Schweizer Politiker und Landtagsabgeordnete Dr.\x0fReto Loepfe erwartet, der bereits im Februar beim Wirtschaftsrat zu Gast war.
Für den Mittelständler Wicom ist die Schweiz ein wichtiger Ausgangspunkt für den Handel mit dem asiatischen Markt. Die Geschäfte mit dem Tochterunternehmen in Indien werden verstärkt über die Schweiz abgewickelt. Die neue Niederlassung nahe Mumbai (Bombay) ist ein joint venture mit einem schwäbischen Unternehmen; ein Teil der Heppenheimer Produktion ist bereits nach Indien ausgelagert worden.
Im Jahr 2000 hat die Firma das Bremer Unternehmen Seekamp übernommen. Man schätzt die Brückenfunktion nach Skandinavien und in den Osten. „Insofern fühlen wir uns auch ein bisschen als Bremer”, so Dr. Fera. Dem Fußballverein wünscht Dr. Brian Fera eine erfolgreiche Saison. Dem Standort Deutschland genügend Weitsicht, endlich den Fuß von der Investitionsbremse zu nehmen.tr