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Der Staatsminister analysierte Bergsträßer Schnaps    zurück

 

Bergsträßer Anzeiger / Ausgabe vom 08.08.2007

Kapillarenelektrophorese  Minister Wilhelm Dietzel (CDU) und Dr. Brian Fera

Wilhelm Dietzel (CDU) besuchte Heppenheimer Unternehmen Wicom / Neuen Produktionsturm besichtigt
Bergstraße. Der Edelbrand ist sauber. Methanol, Ethanol, dazu geringe Mengen an Ethylacetat, auch als Essig-Ester bekannt. Normale Innereien für einen gewöhnlichen Schnaps. Interessant ist vielmehr das Verfahren, mit dem der Geist in seine verschiedenen Bestandteile aufgebrochen wird: Die Flüssigkeit wird durch hauchdünne und speziell beschichtete Glasröhrchen gepumpt. Weil die einzelnen Substanzen unterschiedlich lang unterwegs sind, lassen sich exakte Aussagen über die Menge des jeweiligen Inhaltsstoffes machen.
Hergestellt werden die Röhrchen bei der Heppenheimer Firma Wicom, in der sich Staatsminister Wilhelm Dietzel (CDU) gestern über die modernen Forschungs- und Produktionsmethoden informiert hat. Empfangen wurde der zuständige Mann für den hessischen Umwelt- und Verbraucherschutz vom Vorsitzenden des CDU-Wirtschaftsrats Sektion Bergstraße, Dr.\x0fBrian Fera, dem Geschäftsführer von Wicom Germany.
Das Unternehmen ist das bislang einzige in Deutschland, das über das technologische Know-how zur Herstellung mikroskopisch kleiner Glaskatheter verfügt. Die Röhrchen haben einen minimalen Außendurchmesser von 0,1 Millimeter und können bis zu einen Kilometer lang produziert werden. Dass die filigranen Kapillaren dennoch äußerst elastisch sind und sich ohne Schaden aufrollen lassen, liegt im besonderen Herstellungsprozess, mit dem Wicom technologisch neue Wege geht.
Dietzel war einer der ersten Gäste, die den neuen Produktionsturm an der Liebigstraße besichtigen durften. Die Technik der Anlage wurde aus Finnland importiert; zwei Spezialisten in Sachen Chromatographie (ein Stofftrennungsverfahren) sind derzeit in Heppenheim tätig. Im Turm wird eine kompakte Glasstange von ein paar Zentimetern Durchmesser schrittweise zu einem fadenartigen Glasrohr gezogen. Durch den langsamen Schmelzprozess bleibt die Masse stabil und flexibel ­ verschiedene Öfen und Kühlapparate sorgen für eine kontrollierte Bearbeitung des fragilen Rohstoffs.
Vor Abhängigkeit gewarnt
Für die neue Produktionshalle wurde extra ein erschütterungsfreies Fundament gelegt, um die Vibrationen der unweit vorbei rollenden Züge zu schlucken. Der Staatsminister zeigte sich interessiert am modernen Analyseverfahren, das in vielen Branchen im Bereich Qualitätskontrolle eingesetzt wird. Zu den Kunden von Wicom gehören hauptsächlich die Pharma- und chemische Industrie sowie zahlreiche Forschungseinrichtungen und Universitätskliniken. Ein großer Reifenhersteller nutzt die Geräte zur Feinanalyse und Optimierung des Materials.
Wie Dr. Brian Fera erklärt, ließe sich eine minimale Menge einer bestimmten Substanz bei gleichmäßiger Verteilung sogar im Bodensee nachweisen.
Der Wicom-Geschäftsführer betonte die Sonderstellung in der Materialforschung und erklärte, dass die Hilfsmittel für solche hochwertigen Analysen fast alle aus dem Ausland importiert werden müssen. „Wenn in Deutschland nicht produziert wird, bringt uns das in eine technologische Abhängigkeit”, gab Fera dem Staatsminister mit auf den Weg.
Die in Heppenheim entwickelten Röhren kommen außerdem in der Medizin zum Einsatz, wo sie als hochpräzise Katheter Wirkstoffe an Tumore im menschlichen Körper leiten.
Der Bau des neuen Forschungszentrums hat rund ein Jahr gedauert und gilt bei Wicom als Teil eines Gesamtkonzepts: An verschiedenen Standorten ist Wicom in den Bereichen Forschung, Produktion und Wartung tätig. „Wir helfen dabei herauszufinden, ob Stoffe das enthalten, was sie enthalten sollen”, so Dr. Fera. Von Heppenheim reiste Dietzel zu zwei weiteren Firmenbesichtigungen nach Bürstadt.tr